Grundwasser – wird es knapp?

Grundwasser – die letzten drei Sommer waren heiß und trocken. Müssen wir uns Sorgen machen? Umwelt trifft Technik-Redakteurin Birgit Lutzer befragte dazu zwei Wasser-Experten: den Bielefelder Geologen und Hydrogeologie-Gutachter Frank Schmidt und Stefan Lütgemeier, Geschäftsführer der Gemeindewerke Steinhagen.

Auf einen Blick:

  • Die Winterniederschläge sind statistisch immer noch im Mittelwert. Trotzdem sind die Böden aufgrund der extrem trockenen Sommer seit 2018 in ganz NRW tiefer ausgetrocknet und verdichtet.
  • Dadurch kann Niederschlagswasser nicht mehr in ausreichendem Maße ins Grundwasser versickern, da erst die trockenen tieferen Bodenschichten wieder befeuchtet werden.
  • Lokale Unterschiede in den Grundwasservorräten erklären sich durch technische Gegebenheiten und höhere Tagesverbräuche im Sommer.
  • In Steinhagen sind die Grundwasserstände niedriger als sonst
  • Wegen umfangreicher technischer Vorkehrungen und einem noch ausreichenden Grundwasserdargebot kein akuter Grund zur Sorge.
  • Dennoch ist Umsicht im Umgang mit Wasser angesagt.

Schmidt unterstreicht, das Wetter bewege sich „immer noch im statistischen Mittelwert.“ Er verweist auf eine Folge trockener Hitzesommer in den 1970er Jahren. „Das kann bis zu sieben Jahre lang dauern.“ Schmidt und Lütgemeier stimmen überein, das Grundwasser derzeit noch in einem mengenmäßig ausreichenden Zustand zur Verfügung steht.

Knochentrockenen Böden verhindern das Nachsickern von Niederschlagswasser

Besteht also kein Grund zur Sorge? Schmidt schränkt ein: „Die Lage kann nur so bleiben, wenn weniger Wasser entnommen wird als verfügbar ist. Und das wird ständig überwacht.“ Maßgeblich für die Pegel sind laut Schmidt die Winter-Niederschläge. Doch diese dringen durch die extrem trockenen Sommer der letzten drei Jahre inzwischen nicht mehr in die tieferen Erdschichten ein, und so könne „durchaus in den nächsten Jahren eine Grundwasserknappheit entstehen.“ Denn die Böden in ganz Nordrhein-Westfalen sind inzwischen ausgedörrt.

Unterschiedliche Grundwasserbestände sind auch technisch bedingt

Lokale Unterschiede in den Grundwasservorräten betrachtet der Hydrogeologie-Experte als Folge eines unterschiedlichen Umgangs mit Wasser, da „alle denselben klimatischen Bedingungen ausgesetzt sind.“ Lütgemeier ergänzt, lokal begrenzte Wasserknappheit sei auch technischen Bedingungen geschuldet. „Seit Jahren haben wir im Sommer höhere Tagesverbräuche, die um 25 bis 30 Prozent angestiegen sind. Darauf muss man sich als Wasseranbieter einstellen.“ Wenn noch dazu technische Anlagen ausfielen, sei schnell „die kritische Marke erreicht.“

Auch in Steinhagen gibt es derzeit weniger Grundwasser als früher

Grundwasser
Die Gemeindewerke Steinhagen halten ihre Brunnen auf dem neuesten technologischen Stand. Foto: privat.

In Steinhagen sind die Grundwasserstände ebenfalls niedriger als in den vergangenen Jahren. Lütgemeier: „Das ist nicht zufriedenstellend, aber aktuell auch kein Grund für Besorgnis. Wir haben noch Reserven.“ Der Gemeindewerke-Chef betont, die Voraussagen seien in Hinsicht auf mehr Niederschläge gut. „Auch die aktuellen Klimaprognosen sehen für die nächsten Jahrzehnte in unserem Bereich noch keine Defizite für das Grundwasser.“ Was aber, wenn die Trockenheit trotzdem bleibt? „Dann müssen wir das Entnahmegebiet erweitern und zusätzliche Wassergewinnungsstandorte erschließen.“

Die Verbraucher sind ebenfalls gefragt. Kritisch sieht Wissenschaftler Schmidt die vielen „Aldipools mit sieben Kubikmetern Fassungsvermögen“ in Gärten. Auch das ausufernde Wässern von Rasenflächen ist aus seiner Sicht Verschwendung. Sein Fazit: „Bleibt die Trockenheit so wie in den letzten drei Jahren, droht überall Knappheit mit abnehmender Wasserqualität. Wir müssen jetzt schon in die Zukunft sehen und sparsam mit dieser Ressource umgehen.“ ( Birgit Lutzer )

Frank Schmidt

Grundwasser

  • Studium (1983 – 1989) der Geologie, Fachrichtung Hydrogeologie an der Justus von Liebig Universität Gießen
  • 1989 – 1997 angestellt als Abteilungsleiter für Hydrogeologie im Büro Prof. Dr. H. Schneider und Partner, Bielefeld
  • Seit 05/ 1997 Gründer und Büroleiter im Büro Schmidt und Partner GmbH
  • 1996 – 2002 Lehrbeauftragter für Hydrogeologie an der Fachhochschule Osnabrück

 

Stefan Lütgemeier

Grundwasser

  • Dipl.-Ing. (FH)
  • seit Februar 2015 Geschäftsführer Gemeindewerke Steinhagen GmbH und Geschäftsführer Stadtwerk Verl GmbH
  • von Mai 2013 bis Februar 2015 Prokurist Stadtwerk Verl GmbH
  • von Januar 2007 bis Februar 2015 Prokurist Gemeindewerke Steinhagen GmbH
  • von Januar 2000 bis Februar 2015 Technischer Gesamtleiter Gemeindewerke Steinhagen GmbH
  • von März 1994 bis Dezember 1999 Technischer Betriebsleiter Gas- Wasser- Wärmeversorgung Gemeindewerke Steinhagen

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